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Meminto – Wie alles begann / How it all began

By 3. Juni 2016 6 Comments

You can read the entire story in ?? english, too.

Nach mehr als 3 Jahren Entwicklungszeit ist Meminto im Jahr 2016 in eine private Beta Phase gestartet. Ein Pilot, der Ende 2014 fertig gestellt wurde, zeigte bei frühen Testern hohes Interesse am Konzept der innovativen, digitalen Nachlassverwaltung in Kombination mit einem Instrument, das in der Lage ist, den Lebenszustand seiner User zu definieren. Aus diesem Grund wurde anschließend mit der Entwicklung begonnen, die heute in den Beta Start mündet.

Der Gedanke hinter Meminto entstand während meiner regelmäßigen Fahrten zur Arbeit. Bis 2011 war ich noch fest angestellt bei einem großen Lebensmitteldiscounter und kümmerte mich dort in einem tollen Team um den Internet-Bereich. Damals war ich etwa ein Jahr lang verheiratet. Meine Frau und ich hatten unser vorher getrenntes Leben verpackt in mehreren, separaten Ordnern mit in die Ehe gebracht. Niemand wusste über die Inhalte dieser Ordner des anderen Bescheid. Welche Verträgen steckten da drin? Welche Verpflichtungen sind wir eingegangen? Über die Jahre meldeten wir uns bei immer mehr Portalen, Shops und Online-Diensten an. Obwohl meine Frau natürlich Zugriff auf die meisten meiner Accounts hat, gibt es doch vieles, das ich als eher unwichtig erachte, um sie damit zusätzlich zu belasten.

Was aber, wenn ich plötzlich sterben würde? Könnte sie meine Mobilfunkverträge problemlos kündigen? Würde Sie Zugriff auf meine Blogs und Websites haben? Kennt sie meinen Kundenstamm, den ich mir mit meiner Web-Agentur seit nun bald 15 Jahren (mit 17 eröffnete ich einen Computerservice) aufgebaut habe? Immer mehr Fragen kamen zusammen und ich kam zum Entschluss: Menschen, die früh sterben, hinterlassen meistens einen riesigen Haufen von Fragen und Unklarheiten.

Da ich in der Nähe von Heidelberg wohne, habe ich einige Bekanntschaften von Mitarbeitern von OM Deutschland. Operation Mobilisation ist ein christliches Hilfswerk, das Menschen in alle Teile der Welt, auch in gefährliche, aussendet. Als vor einigen Jahren ein australisches Ehepaar aus dem Jemen nach Deutschland flüchtete, während schon vorher drei Mädchen dort den Tod fanden, wurden wir Freunde. Bei einem Gespräch wurde mir bewusst, dass selbst sie sich nicht ausreichend auf einen möglichen Todesfall und eventuellen Hinterlassenschaften digitaler Art vorbereitet hatten.

Die Recherche

Ich begann zu recherchieren und sah, dass sich damals relativ wenige Leute mit dem Thema „Digitaler Nachlass“ beschäftigten. Ein Thema der Zukunft also – und so ist es auch. Heute findet man massenhaft Information und Ratschläge. Selbst die Bundesregierung mahnt, man solle auch die digitalen Hinterlassenschaften rechtzeitig regeln.

Nach einer Marktanalyse stellte ich fest, dass es zumindest damals gerade einmal einen einzigen Anbieter für Verwahrung digitaler Nachlässe gibt. Legacy Locker, das anschließend zu Password Box wurde, konnte jedoch lediglich Passwörter und Zugänge sichern, keine Nachrichten, Videos und Fotos aufnehmen, die anschließend an Anvertraute gesendet wurden. Zudem war die Überprüfung des Lebenszustands nicht gegeben. Hinterbliebene mussten sich selbst darum kümmern, an die Daten zu kommen. Ein weiterer Blick brachte mich zu einem Anbieter, der einen letzten Tweet oder Facebook-Status absetzen konnte, wenn man verstorben war – ich wollte jedoch keine Spielerei, sondern etwas ernst zu nehmendes aufsetzen. Zum Schluss fand ich einen Anbieter, der digitale Nachlassverwaltung betrieb, allerdings im Rückwärtsgang: Als Dienstleistung sucht das Unternehmen nach dem Tod einer Person alle Konten heraus und versucht diese zu löschen.

Entwicklung des Meminto Prototypen

So begann Ende 2012 die Entwicklung des ersten Prototypen, der 2014 getestet werden konnte.

Ich machte den Fehler, mich zu sehr auf Details zu konzentrieren. So war der Prototyp damals schon mehrsprachig und hatte mehr Extras und Funktionen, als das heute gestartete Beta-System. Dennoch wurde das System und die Idee dahinter gut angenommen und stieß immer wieder auf Bewunderung, sodass ich mich entschied, es nun weiter zu verfolgen. Da ich mir damals über eine Vermarktung, Haftung und Verantwortung jedoch noch nicht sicher war, entschied ich, es als Modul für ein bestehendes Framework aufzusetzen. So hätte ich später die Wahl, mich für ein Modul nach dem Prinzip Software as a Service zu entscheiden oder das Modul einzeln zu verkaufen.

Die Beta-Phase von Meminto

Nachdem nun erneut mehr als zwei Jahre ins Land gezogen sind, viele hundert Stunden Tests und Bugfixes erledigt wurden, war Meminto 2016 für eingeladene Gäste zugänglich. Was zum Start der private Beta bereits möglich war:

  1. Meminto prüft über sogenannte Lifechecks, ob der User noch am Leben ist. Dazu werden in einem selbst definierten Abstand E-Mails an den User gesendet, die er innerhalb einer wiederum selbst definierten Zeit bestätigen muss. Ein Beispiel: Ein geläufiger Rhythmus für den Lifecheck sind 14 Tage. Wenn man sich selbst 4 Tage Zeit geben will, um diese E-Mail zu bestätigen, würde Meminto nach insgesamt 18 Tagen „skeptisch“ werden, sollte keine Bestätigung eingegangen sein. Über Erinnerungen kann die eigene Vergesslichkeit ein wenig überbrückt werden. Die kleinste einstellbare Zeit in der Beta-Phase sind 2 Minuten, die größte 6 Monate.
    Das Meminto Dashboard mit einstellbaren Optionen

    Das Meminto Dashboard mit einstellbaren Optionen

  2. Meminto arbeitet mit Trustees. Das sind Personen, die der User vorab wählt und denen er in höchstem Maße vertraut. Mit Leben und Tod spielt man nicht, sagte mein Vater immer. Ich habe es auch Meminto nicht erlaubt, komplett selbstständig zu entscheiden, ob ein User systemtechnisch gesehen tot ist. Das wäre zwar möglich, und andere Anbieter machen das so, ich wollte aber unbedingt eine humane Sicherheitsstufe einbauen. Sobald der User keine Reaktionen mehr auf Lifechecks oder Erinnerungen zeigt, werden seine vorab definierten Trusties angeschrieben. Maximal können dies 3 Personen sein. Weil der User seinen Trusties vertraut, kann er davon ausgehen, dass sie keine falschen Angaben machen werden. Erst, seine Trusties seinen Tod bestätigen, wird Meminto den Anvertrauten Personen („Kontakte“) Zugriff auf seinen digitalen Nachlass ermöglichen.
  3. Meminto funktioniert aber auch ohne Trusties. Manchmal macht es keinen Sinn, andere Menschen nach dem Tod einer Person zu fragen. Zum Beispiel im Fall einer unheilbaren Krankheit und mit dem Wissen, dass der Tod in wenigen Tagen eintreten wird. Oder für den Fall, dass man keine Zeit damit verschwenden möchte, sich Erinnerungen und Fragen auszusetzen (ich nenne hier lieber keinen Fall, der dazu passt, vielleicht denkt ihr ihn euch einfach). In diesem Fall soll der digitale Nachlass nach Ausbleiben der Bestätigungen sofort versendet bzw. zu Verfügung gestellt werden.
  4. Kontakte und Nachrichten. Darum geht es: In der Beta-Phase können beliebig viele Nachrichten geschrieben und diese an Kontakte zugewiesen werden. Nachdem Meminto den User als „tot“ einstuft, werden sie versendet.
  5. Der Debug-Modus bzw. Status-Check: Mithilfe des Debug Modus sieht der User während der Beta-Phase immer, an welchem Punkt im Ablauf der gerade steht. Dies ist bei elf verschiedenen Status wichtig, da man sonst sofort den Überblick verlieren würde.
  6. Schneller Support: Um bei Fragen schnell zu helfen, habe ich einen kleinen Direkt-Chat integriert. Dieser wird nach der Beta-Phase entfernt, soll jetzt aber dazu helfen, Startschwierigkeiten zu beheben.

Die Einladung zu Meminto

Meminto kann nun also getestet werden. Um eine Beta-Einladung zu erhalten, ist es notwenig, sich dafür zu bewerben. Im Moment ist die private Beta leider nur in deutscher Sprache verfügbar. Unter https://app.meminto.com kann man sich einen Zugangscode zusenden lassen.

 

Al

Author Al

Hi, ich bin Al. Mit Meminto verfolge ich die Mission, das Thema Sterben und Erben ins digitale Zeitalter zu führen. Ich leite unter anderem die SEO Agentur zählpixel.com und die Audio-Agentur SpeakStaff. Mehr über mich gibt es auf meiner Facebook-Seite.

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Join the discussion 6 Comments

  • Daniel Rohnert sagt:

    Es gibt noch wesentlich mehr Dienstleister die sich mit dem Thema beschäftigen. z.B. https://www.vorsorgeplattform24.de/ oder auch https://anera.digital

    Und natürlich entsprechend viele Publikationen. Ich finde die Totmannschaltung, auch in Kombination mit Trustees zu „riskant“ und Umfragen meinerseits ergaben keine hohe Akzeptanz. Da rechne ich anera gute Chancen aus.

  • Al sagt:

    Hi Daniel, danke für dein Feedback. Du bist mit digiment auch in dem Bereich aktiv? Klingt interessant – was genau machst du dort? Die Vorsorgeplattform habe ich bereits gekannt und ausprobiert, jedoch hat es mir aufgrund der Unübersichtlichkeit nicht gefallen. Anera hat natürlich mit dem großen Versicherer einen starken Partner im Rücken, ist deswegen wohl auch auf einem anderen Level zu sehen. Habe ich bisher aber noch nicht gekannt. Aber auch die setzen auf Vertrauenspersonen, sehe ich. Werde mich weiter umschauen!

  • Christoph von anera sagt:

    Schön zu sehen, dass sich in der „Szene“ etwas tut! Wenn Du Dir die weltweiten Aktivitäten anschaust, solltest Du auf jeden Fall auch SafeBeyond aus Israel (http://www.safebeyond.com) auf dem Schirm behalten. Und in der Versichererbranche tut sich in den USA auch etwas: Infinity von MetLife (https://metlifeinfinity.com/).

    • Al sagt:

      Danke für dein Feedback, Christoph. Habe mir die anderen Projekte auch mal angesehen – die Sensibilität wächst. Auch was du mit anera machst, gefällt mir gut: Sauber, aufgeräumt, klar. Die Verknüpfung zu den Versicherern ist sicherlich der logische, nächste Schritt.

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